Bilingualer Sachfachunterricht


Vorteile

Bilingualer Unterricht und bilinguales Lernen bereiten auf Studium und Beruf vor, denn sie vermitteln Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die für das spätere Berufsleben in einem sprachlich und kulturell vielfältigen Europa wichtig sind." So heißt es auf der Homepage des NRW-Schulministeriums.

In einer immer stärker zusammenwachsenden Welt nimmt nicht nur die Sprache, sondern auch das fachliche „Know How“ eine wichtige Bedeutung ein – ist die Lösung der bilinguale Sachfachunterricht? Um sich über die Vorteile und die Probleme dieser Art von Unterricht ein genaueres Bild zu machen, kamen beim 22. Kaminabend wieder zahlreiche Studierende, Lehrende und Lehrer/innen aus der Region in die Sekundarwerkstatt.

Der Leiter des bilingualen Zweiges des St. Ursula Gymnasiums Attendorn, Herr Aufderlandwehr - Lehrer für Geographie und Englisch -  berichtete von seinen Erfahrungen aus der Praxis.  Danach verfügen die Schüler/innen, die schon in der 7. Klasse mit dem bilingualem Unterricht beginnen, später über eine deutlich höhere Sprachkompetenz als ihre „einsprachig lernenden“ Altersgenossen. Die Bedenken, dass dabei die fachlichen Inhalte zu kurz kämen, bestätigte er nicht.

Die Geschichtsdidaktikerin Susanne Popp, die den bilingualen Unterricht grundsätzlich nicht negativ beurteilte, gab zu bedenken, dass beispielsweise die Geschichte über spezielle Fachtermini verfügen würde, die sich nicht ohne weiteres in eine Fremdsprache transponieren lassen können. Die Lehrerbildung müsste zudem gezielter auf die Befähigung zur Lehre in einer Fremdsprache hinarbeiten, um den bilingualen Sachfachunterricht an deutschen Schulen auszudehnen, was bei der derzeitigen Mittellage an den Hochschulen problematisch sei. 

Andrea Löwing und Bastian Thielmann, beide Anglistikstudierende vor dem ersten Staatsexamen, gaben einen Einblick in die Auseinandersetzung mit dem Thema in der englischen Fachdidaktik. Die beiden Studierenden konnten mit dem bilingualen Sachfachunterricht bereits Erfahrungen in ihren Unterrichtspraktika sammeln. Ihre Erfahrungen waren deswegen besonders überraschend, weil sie nicht gerade klassische Kombinationen des bilingualen Sachfachunterrichts vertraten, nämlich Philosophie und Mathematik. Nach Andrea Löwing war der Unterricht in Philosophie geradezu erstaunlich effektiv, wenn philosophische Texte in der (englischen) Originalsprache bearbeitet würden, da so die Übersetzungsfehler gemindert werden. Bastian Thielmann sah in der Kombination mit Mathematik gar die Chance, neu über manche Fachtermini nachzudenken. Während nämlich die Fachtermini in den Sprachen relativ ähnlich seien, seien die Bedenken der Schüler/innen, ihre Bedeutung noch mal zu erschließen, deutlich geringer. 

Der bilinguale Unterricht wurde aber auch als Chance für Migrantenkinder gesehen, die im Unterricht weniger von ihren deutschen Mitschüler/innen „abgehängt“ würden, da für alle Schüler/innen die Fremdsprache die Ausgangsbasis ist. Auch könne der Umgang mit fremdsprachlichen Texten sowie das eigene Formulieren fremdsprachlicher Sätze – sowohl verbal als auch orthographisch – zu einem konzentrierterem und reflektierterem Umgang mit den Inhalten führen, was dem Verständnis und der Nachhaltigkeit des Gelernten zuträglich sei.

Beim Vergleich der Schulsysteme skandinavischer Länder, in denen bilingualer (meist englischer) Sachfachunterricht ein fester Bestandteil im Schulalltag ist, lag der Schluss nahe, dass auch gesellschaftliche Faktoren, wie zum Beispiel fremdsprachliches Fernsehen mit Untertitel und ohne Synchronisation – keinen unwesentlichen Einfluss auf den Lehr- und Lernerfolg hätten. 
Trotz gewisser Bedenken war das Ergebnis des von Johanna Foerster moderierten Abends als Plädoyer für den bilingualen Sachfachunterricht zu werten.

Bericht für das Kaminabendteam Carsten Koch - für das Sekundarstufenzentrum Birgit Weber